... aus meiner Vergangenheit und derjenigen von SORD
SORD? werden Sie fragen.
war die kreativste Computer-Entwicklungsfirma, die ich kenne. Es gab keine Firma, die in den frühen achtziger Jahren derart viele und unterschiedliche Computersysteme entwickelt hat, immer an der Spitze der Technologie. Leider blühte sie nur in Japan richtig und kam ausserhalb Japans auf keinen grünen Zweig, geschweige denn Ast.
Während Jahrzehnten habe ich mich in der Welt der Physik, Chemie, Biologie, Medizin und IT herum getrieben: Zuerst als Mechaniker, dann als Laborant, weiter als Verkäufer, dann als Unternehmer, als solcher ein Vetreter von SORD, bevor ich schliesslich als Freelance-Programmierer von Telekommunikations-Geräten endete, die eine wichtige Rolle im Internet spielen.
Immer technisch stark interessiert muss ich mich mir eine Infektion durch Micro-Computer zugezogen haben. An das genaue Datum kann ich mich nicht mehr erinnern, aber es muss so um 1977 herum gewesen sein, als ich mich an einer Computer-Show in Paris zum ersten Mal in einer dichten Traube von Leuten fand, die um einen Commodore PET herum standen und staunten, was man mit so einem Ding offensichtlich alles, wenn auch unnützes, machen konnte (das Ding gab Töne von sich, fast schon Musik!). Man nannte die Geräte korrekt "Microprocessor Systems", was auch jetzt noch korrekt wäre, aber seit 1982 liebt die IT-Gemeinde den Begriff "Personal Computer", vulgo "IBM-PC". Und wenn Sie auch zu recht glauben, IBM habe überhaupt nichts selbst entwickelt oder produziert an ihrem PC, dann sind Sie sich aber doch wohl sicher, dass IBM midestens den Begriff "Personal Computer" erfunden habe. Weit gefehlt!
Ich denke, da war auch ein früher Apple, und natürlich war da auch ein Altair, nicht das allererste, aber das erste weltweit erfolgreiche Do-It-Yourself-Computer-Kit. Es wurmte mich, dass ich von diesen Dingern nichts verstand, wo sie doch irgendwie eine grosse Zukunft vor sich zu haben schienen. Allerdings glaubten dies wohl die wenigsten Ausstellungs-Besucher (hauptsächlich IT-Professionals, deren Ziel es gewesen wäre, ihre Rechenzentren lieber mit Supercomputer als bloss Main Frames zu bestücken, hätte IBM Supercomputer angeboten), denn im Vergleich mit den IBMs, CDCs, Bulls und DECs etc. waren alle diese Winzlinge kurioser Kinderkram aber unbrauchbar.
SORD M23 war in der Schweiz der Renner.
1978 besuchte ich einen grossen Computer-Kongress in Dallas und traf dort in der angegliederten Ausstellung an einem kleinen Stand auf Mr. T. Shiina von SORD Computer Systems Inc., Tokyo. Wir arbeiteten einen Zusammenarbeitsvertrag aus, und ich begann sofort die SORD-M222-Systeme in der Schweiz zu verkaufen und suchte Distributoren in Deutschland und anderen Ländern. Die Systeme hatten 32KB (ja, K, nicht M) RAM und eine moderne 70KB-Diskette (5 Zoll. IBM-Büro-Computer hatten dazumal kiloschwere 8-Zoll Disketten-Antriebe für bloss 128 Kilobytes), eine integrierte Tastatur mit Text- und Graphik-Ebene und einen Monitor. Das war alles integriert in einem einzigen Gehäuse. Der Rechner hatte ein richtiges Betriebssystem mit einem Filesystem à la PDP-11 und war programmierbar mit einem Assembler und BASIC. Als Prozessor wurde der Z80 eingesetzt. Unser erster Kunde war ein eidgenössisches Zeughaus! Sie verwandten den M222 (der Vorläufer des M223 ) für Temperatur-Tests für Munition, wenn ich mich recht erinnere. Das wahrscheinlich interessanteste Gerät von SORD war der M68. Er enthielt einen Z80, auf dem man das SORD-eigene Betriebssystem oder CP/M fahren liess, plus einen M68000, mit dem man echte 16-Bit-Anwendungen unter CP/M 68K entwickeln konnte. Die letzten SORD-Rechner, die wir auslieferten, waren M68020-basierte 32Bit-Unix-Maschinen. SORD nannte sie "Unibox". Das mengenmässig meistverkaufte Modell war der M23. Im Web gibt es ein interessantes Interview über das mit echt japanischen Machenschaften herbeigeführte Ende von SORD. Jeder an Computer-Geschichte Interessierte, sollte das interessante Interview lesen. Es erschien in 1994 in der Zeitschrift "Computing Japan", die es inzwischen auch nicht mehr gibt. Die im Interview erwähnte Firma "Preside" hiess wirklich "Proside" und hat in Hong Kong aus eingekauften Teile "AT-Compatibles" gefertigt. Einige davon habe ich auch in der Schweiz verkauft: Zu einem Drittel des Preises der früheren SORD-Rechner und viermal so viel Ärger.
Shiinasan mit P.Rohner
Das Programmieren der frühen SORD-Systeme war recht einfach und Mr.Shiina's stehender Spruch bei jeder Gelegenheit war denn auch: "Oh yes, it's so easy in BASIC!", denn die SORD-Rechner waren von Anfang an mit einem starken BASIC versehen. Vor diesen Tagen habe ich auch schon in der einen oder anderen Form "programmiert", aber dieser Z80-Assembler und vor allem BASIC bildeten den Grundstock für meine weiteren Untaten auf diesem Gebiet. Dank dem SORD-M68 und seinem CP/M-68K kam ich zu meinen ersten Kontakten mit C, der Programmiersprache, mit der ich in der Folge ab 1988 meinen Lebensunterhalt verdiente. Lesen Sie auf einer weiteren Seite, wie ich dabei immer erfahrener wurde, hier aber geht es weiter mit SORD-Geschichte(n).
Späte Tränen für SORD
SORD Computer Corporation war schon meine Lieblingsfirma, der ich jetzt schon zwei Jahrzehnte lang nach trauere: Sie hatte sehr interessante, technisch weit fort geschrittene Systeme, die ihrer Konkurrenz, insbesondere der amerikanischen, in nichts nachstanden aber sie punkto Zuverlässigkeit weit übertraf. Wenn man zum Beispiel den M68 mit dem praktisch gleichzeitig aufgetretenen IBM PC vergleicht, kann man sich sämtliche Kopf- und Bart-Haare raufen, wenn man sieht, welche Art von Qualität sich schliesslich - und nicht nur gegenüber SORD, natürlich - durchgesetzt hat.
Während SORD in Japan immer die Nummer 2 oder 3 im Microcomputer-Verkauf war, so hatte die Firma in den USA, trotz vielen Anläufen nie eine Chance. Ausserhalb Japan wurden die ersten SORDs in der Schweiz und anschliessend in Deutschland verkauft (durch mich). Gute, erfolgreiche Händler gab es später in Frankreich, England, Italien, Spanien und Skandinavien. Bald wurden die System für Europa und USA ( ein wenig hat man dort schon verkauft) in Irland produziert, zuerst unter dem Namen Orange(!) Computer. Später hat man die Firma dann doch in SORD Computer Systems (Ireland) Ltd. umbenannt. Der Name Orange zeigte aber schon: Takayoshi Shiina und Nobuhiro Sato, der technische Direktor, haben sich selbst als das japanische Equivalent zu Jobs/Wozniak gesehen. Dabei wurde aber nicht etwa bei Apple abgekupfert. Man hätte nur gerne deren Erfolg und Anerkennung auch ausserhalb Japans erreicht.
Während SORD in Japan bis zum Aufgehen in Toshiba sehr gute Verkaufszahlen erreichte, war es zum Verzeifeln, wie wenig SORD in den USA und hier in Europa voran kam, besonders von 1983 an: Wir hatten keine Chance mehr gegen IBM-PCs und deren "Kompatible". Ich glaube den Grund hiefür zu kennen. Vor 1982 waren die Microcomputer den Rechenzentrums-Manager ein Gräuel: Da konnte sich ein X-Beliebiger in der Firma einen günstigen Computer kaufen und sich für seine Insellösung von den Hütern des IT-Grals unabhängig machen. Das konnte und durfte nicht sein, und man konnte dies auch gegenüber höheren Stellen als unqualifizierte Abweichung und erster Schritt zum totalen Datenchaos darstellen. So kurios, ja gar interessant, diese technischen Entwicklungen auch waren, man musste sie im Geschäftsinteresse abwürgen. Nach dem Eintritt von IBM in die Zwergenwelt konnte man kaum mehr abstreiten, dass so kuriose Maschinen in gewissen Fällen einen Nutzen liefern könnten. Aber dann musste man die Micros auch von denen kaufen, die doch bestimmt wirklich etwas von der Sache verstehen mussten: IBM. Ich habe so um 1982/83 interessanterweise einen kleinen Boom erlebt: Weil sich die Micros - aufgrund des Markteintrittes von IBM - nicht mehr verbieten liessen, und es doch auch viele Leute gab, die sich ihr eigenes, unabhängiges Urteil bilden durften, haben sich viel mehr Kunden für die Maschinen von SORD entschieden, aufgrund deren technischen Überlegenheit. Es gab eine riesige Marktausweitung, allerdings nur eine kleine für SORD. Mit leistungsfähigen Unix-Maschinen von SORD zeigte sich ein Hoffnungsschimmer und ein Ausweg aus der IBM-PC-Zange, aber dann gelang es den Grosskonzernen: Der kleine, vielleicht gefährliche Zwerg, der sich nicht immer an die in Japan verwurzelten Traditionen der Unterwerfung unter die Mächtigen hielt, wurde derart behindert, dass die Besitzer das Unternehmen verkaufen mussten, um es zu retten. Unter Toshiba hat das Unternehmen zuerst die Dynamik und dann den Namen verloren.
Die Geschichte mit SORD war mir ein bittere Lehre, wo ich doch fest daran glaubte, als erster SORD-Verkäufer ausserhalb Japans immmmmens reich zu werden: Qualität setzt sich nicht automatisch durch.
Es gibt einige Informationen im Web über SORD. Entsprechende Links habe ich schon weiter oben eingebaut. Ich lasse mich im weiteren über diejenigen SORD-Modelle aus, die im Internet kaum zu finden sind und versuche auch aufzuzeigen, wie dynamisch die Firma bezüglich Technologie war.
1978 bildeten die Modelle SORD M222 gefolgt von M223 den Anfang
Während ich vom M222, dem ersten ausserhalb Japans verkauften SORD-Computers (1978), mehr habe, habe ich einen ganzen Prospekt vom Modell M223 (Ende 1978) eingescant. Der äusserliche Unterschied war nicht gross: Der M222 war eine Einheit von Tastatur, Bildschirm und Floppy-Disks, während beim M223 der Bildschirm mit den eingebauten Floppies von der Konsole mit der Tastatur getrennt wurde. Eine etwas abgespeckte Ausführung des M223 war der M203. Ich vermute, er musste, aufgrund seines Äusseren, Käufer anziehen, die sich an den Anblick eines Microcomputers in der Form eines Apple II schon gewöhnt hatten. Der wichtigste Unterschied zwischen dem M222 und dem M223 war der Riesensprung von 70KB-Disketten zu den damals fast gigantisch dichten 350KiloBytes-5-Zoll-Disketten (state-of-the-art war 128KB 8-Zoll-IBM-Disketten, die in mehreren Kilo schweren Drives liefen). Mit diesen Disketten konnte man nun schon wirklich anständige Anwendungen realisieren.
Die folgenden 7 Bilder sind einem 8-seitigen Faltprospekt entnommen (der Link braucht Adobe Acrobat 6.0, ADSL und Geduld), der im Dezember 1978 gedruckt wurde. Er zeigt, warum ich selbst von diesen Geräten so angetan war: Es gab Einsteckkarten mit digitalen Eingängen, analog/digital-Wandler, HC-IB-Bus, programmierbar in BASIC. Sie passten wunderbar dazu, unser Programm an Labor-Messgeräten Richtung automatischer Auswertungen zu erweitern, denn die Resultate liessen sich mit echter Farbgraphik darstellen. Der Titel der einen Seite "Prosperity Through Programming by Yourselves" ( Oh yes, it's so easy in BASIC! ) passt gut zu dem unbegrenzten Optimismus der Zeit im Allgemeinen und Herrn Shiina (der Mann auf dem Sessel auf der Frontseite des Prospektes) im Besonderen. Hier noch ein Bild aus einer Austellung 1980 in Basel, das den M223, ein Nicolet Instrument Digital Oscilloscope und einen Zeta-Plotter zeigt. Über eine parallele Schnittstelle wurde das Digital-Speicher-Oszilloskop gesteuert und die Messkurven wurden auf dem Plotter ausgegeben.
SORD M222 steuert Nicolet Digital Oscilloscope und Zeta-Plotter
Diese Art von Rechner liess sich jedoch nicht ganz einsetzen, wofür die heutigen PC's fast ausschliesslich verwendet werden: Für's Schreiben. Ich war wahrscheinlich einer der Allerersten, die darauf versessen waren, Kunden in Mailings ganz persönlich anzuschreiben. Ich wollte nicht nur die Anschrift persönlich gestalten, sondern die Werbebriefe auch nach Interessensgebiet selektioniert aussenden und nicht einfach Drucksachen verteilen. So habe ich mir schon im Jahre 1973 von Olivetti für 36000(!) Franken einen der ersten Textautomaten angeschafft, um meinen Werbeschreiben-Wünschen nach zu kommen. Meine teure Olivetti als Vorbild vor Augen, habe ich mich sofort dahinter gemacht, ein Textsystem für den SORD M223 zu programmieren, das dann in den späteren Jahren immer raffinierter ausgefeilt wurde und gar Silbentrennung vornehmen konnte - die teure Olivetti wurde rasch obsolet.
Mit dem M222 konnte man also messen und steuern und mit dem M223 dann erst noch Briefe schreiben. 1979 kam von SORD das "PAN Information Processing System" PIPS hinzu, ein Software-System, mit dem man ohne jegliche Programmierkenntnisse beliebige Tabellen bearbeiten konnte. Es verhielt sich analog zu den ersten Spreadsheet-Programmen, hatte aber auch Funktionen, wie sie nur relationale Datenbanken aufweisen. Man konnte nun - es war noch nicht 1980! - mit dem M223 messen, steuern, Resultate tabellieren und Konvertieren, Resultate graphisch darstellen und sie in Briefen und Rapporten verwenden. Was kann man heute (2005) mehr? Ausser surfen nichts.
Das M243 Mehrbenutzer-System
Wir haben schon um 1980 das M243 Mehr-Benutzer-System vorgeführt. In der Folge gab es dann in der Schweiz mehrere und in Frankreich viele Buchhaltungs-Applikationen, bei denen gleichzeitig bis zu drei Arbeitsplätze in Betrieb waren. Das Betriebssystem dazu wurde ebenfalls von SORD entwickelt und basierte immer noch auf dem Z80. Es war relativ primitiv, aber im Gegensatz zu anderen Versuchen damals lief es tatellos. Jedem Benützer war fix ein Speicherbereich zugeteilt, sodass er vollkommen unabhängig von anderen Benutzer war. Die Dateien auf den Disketten, später auf der Winchester-Harddisk, waren gegeneinander fest verriegelt. Es konnten also nicht zwei Applikationen gleichzeitig auf dieselbe Datei zugreifen, jedenfalls habe ich das so in Erinnerung. SORD verfügte also schon über relativ preisgünstige Mehrplatzsysteme, bevor IBM ihr hässliches Entchen "Personal Computer" tauften.
SORD M343 folgt auf den M243 Multiuser
A propos "relativ preisgünstig": Ein SORD-Rechner wie der M223 verkaufte sich damals zu Fr.13000 bis 18000. Es lohnte sich also noch, beim prospektiven Kunden mit intensiver Beratung zu helfen. Den Preis für einen M243 kann ich nicht mehr herausfinden, muss aber bei etwa Fr.19000 gelegen sein, für den ersten Arbeitsplatz. Ein Satz von 10 5-Zoll-Disketten (sie mussten speziell für SORD formatiert werden) kostete mehrere hundert Franken. Ein 5-Zoll Diskettenlaufwerk in einem Gehäuse kam auf etwa Fr.700. Ja, das waren fabelhafte Zeiten! Was man heute für einen 1.4MB Floppy-Drive bezahlt, reichte damals nicht einmal für die Zollgebühr.
Das Nachfolge-Modell (so um 1982) des M243 war dann der M343 (immer auf Z80 basierend), später der M343SX. Letzterer gab es mit einer Intel 80286-CPU auf einer VME-Karte. Es standen mehrere Betriebssysteme, einzel- und mehrplatz-fähige, zur Verfügung, so auch MS-DOS. Es war wieder einmal ein technisches Meisterstück von SORD aber der Zug war schon abgefahren: Kein Mensch in der VME-Welt wollte mit Intel-Chips anfangen und vorhandene PC-DOS-Anwendungen konnten nicht einfach auf ein Gerät mit VME-Bus portiert werden.
SORD und UNIX
UNIBOX: Der erste UNIX-SORD.
SORD hat nie im IBM-kompatiblen Markt mitgemischt, obschon wir Vertreter immer darauf gedrängt haben, die riesigen Möglichkeiten vor Augen. Die Qualitäts- und Zuverlässigkeitsansprüche bei SORD waren so hoch, dass es unmöglich war, IBM-kompatible Systeme preislich konkurrenzfähig zu liefern. SORD hat, als klar wurde, dass man mit dem eigenen Betriebssystem keine Zukunft mehr haben werde, auf UNIX gesetzt, um dem Preisdruck auszuweichen. Wir haben schon 1983 die UNIboX vorgeführt, ein Desktop-Gerät, basierend auf VME-Bus und Motorola M68010-CPU. Wirklich leistungsfähig war dann aber erst der M686MX, ein Tower-Modell, ebenfalls auf VME-Bus-Basis und mit einer M68020 CPU. Die Abbildung zeigt die UNIBOX, die den kleinsten Raum ein nimm. Links von der Unibox ein RT2X-Terminal von SORD, aber man konnte natürlich jedes andere Terminal für die Kommunikation mit der UNIBOX verwenden. Dieses Modell, speziell aber dessen Workstation-Ausführung M685 (mit M68020), wurde dann in Europa recht gut verkauft, weil Systementwickler unter anderem Banken-Software dafür entwickelt haben. Es war wirklich das Prunkstück der ganzen SORD-Entwicklung!
SORD M68MX mit CP/M-68K
Während der M686MX für den Verkäuf an Systemhäuser vorgesehen war, hat SORD den Graphik-starken M68MX als Basis für eigene Applikations-Entwicklungen eingesetzt. Für den M68MX wurden von SORD Kanji-Textsysteme und CAD-Systeme entwickelt und in Japan gut verkauft. Aber es war halt schon die Zeit, wo bei uns für IBM-PCs ausgefeilte, lokal adaptierte Applikationen ab Stange erhältlich waren. So um 1985 herum hatten wir Zugriff auf viele ausgezeichnete SORD-Rechnersysteme, mit S100-Bus oder VME-BUS, mit CP/M-86, CP/M68K, Concurrent CP/M, MS-DOS oder UNIX die für viele Applikationen hervorragend geeignet gewesen wären, bloss: Die Applikationen fehlten, weil sich Systemhersteller mehr von guter Software auf einem PC-kompatiblen System versprachen, als von guter Software auf einem hervorragenden, zuverlässigen System, das halt zu den "Exoten" zählte.
Portable SORD
SORD M23P: Grossmutter aller Notebooks?
SORD war ein Pionier der portablen Rechner. Für die Herstellung portabler, batterieabhänger Systeme braucht es eine spezielle, stromsparende Technologie und SORD war einer der Pioniere auf dem Gebiet. Wahrscheinlich nicht zuletzt deshalb hat sich Toshiba später bereit erklärt, SORD zu übernehmen (anzumerken ist, dass Toshiba, laut T.Shiina, nicht hinter den Machenschaften stand, die SORD Probleme brachten). Es gab schon früh (1981) einen M23P ('P' für 'Portable') mit einem LCD-Display, der den Bildschirm ersetzte. Der LCD-Display zeigte einen Ausschnitt aus dem normalen 25-Zeilen-Bildschirm. Man konnte den Ausschnitt horizontal und vertikal über den virtuellen Bildschirm scrollen lassen. Eine grosse Batterie, an der Rückseite angebracht, machte das Gerät netzunanhängig (wenn ich mich richtig erinnere war das etwa eine Stunde). Der M23P war eines der ersten Rechner, wenn nicht gar der erste überhaupt, der 3.5"-Floppy einsetzte. Deren Kapazität war dazumal schon etwa 720KB.
SORD IS-11 Portable Computer
Ein wichtige Entwicklung mit CMOS-Bauteilen war dann der IS-11 im Format A4 und einem eingebauten LCD-Display. Daten wurden auf einer Mini-Kassette abgespeichert. Die Kunden verwendeten das Gerät für die manuelle und automatische Daten- und Texterfassung. Die Daten wurden dann anschliessend oft zur weiteren Verarbeitung in einen grösseren Rechner transferiert.
Gaming SORD
SORD M5 für die Kinder
Nicht ganz zur portablen Linie gehörend, aber ein weiteres Beispiel für die unerschöpfliche Kreativität der SORD-Ingenieure war der SORD M5 "Creative Computer", für Lehre und Spiel. Das Gerät liess sich an einen Fernseher anschliessen und benützte ROM-Cartridges als Programmspeicher. Auf den Cartridges gab es BASIC-Interpreter und Spiele. Damals, 1982, zur Klasse der "Home Computer" gehörend, war der M5 also ein Vorläufer der heutigen PlayStations und XBoxes. Hier ist ein lustiges Link mit viel Bilder über den M5 (sehr, sehr lange warten, auch mit ADSL, weil viel Graphik kommt. Es gibt da sogar einen M5-Emulator!) und hier ist eine Review aus der Zeit und hier noch ein Bericht über eine fast gelungene Erfolgsstory der Vermarktung des M5 einer Firma Computer Games Ltd.
1985 wurde SORD von Toshiba übernommen und finaziell restrukturiert. Von diesem Zeitpunkt an wurden nur noch wenige Maschinen nach Europa geliefert, hauptsächlich die Unix Workstations M685. In Japan blieb der gute Namen "SORD" innerhalb von Toshiba weiterhin bestehen und er verschwand erst 1999 endgültig, als aus der SORD-Einheit die Toshiba Personal Computer System Inc. wurde. So weit ich bis Ende der 80-iger Jahre die Angelegenheit verfolgen konnte, wurden bis dahin in Japan hauptsächlich Kanji-Textsysteme und CADBRAIN CAD-Systeme ausgeliefert. Auch der Nachfolger des PIPS IV - Datenbanksystems war sehr erfolgreich.

