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Auf heissen Steinen an der kühlen Maggia

 

Sommer an der Maggia: Meine Alternative zum Karibikstrand!

 

Meine Frau liebt die Sonne. Wenn sie nicht an der Sonne liegen kann, ist das Zeitverschwendung. Deshalb sind wir oft im Bagno Pubblico anzutreffen. Ich selbst habe es aber gerne etwas wilder und aktiver. Wir müssen aber nicht einmal Kompromisse schliessen, denn an der Maggia ist es sonnig und heiss, aber auch wild und urtümlich! Dies erklärt, weshalb wir wenige Orte so oft besuchen, wie "unseren Stein" in der Maggia bei Ponte Brolla. Oberhalb Ponte Brolla, eigentlich. Es gibt kaum Herrlicheres, als sich auf den heissen, blank polierten Steinen Rücken und Bauch gleichzeitig zu braten, und sie immer wieder im eiskalten Wasser für die nächste Runde zu kühlen!

Ich bin kein Maggia-Forscher, aber ich liebe wilde Natur, wie ich sie im Hinterland von Korsika's Westküste gefunden habe, bevor wir die Maggia "entdeckt" haben. Wild ist die Maggia, jedenfalls oberhalb von Ponte Brolla. Unterhalb wird sie eng korsettiert schnurgerade in den See getrieben. Sie ist gar erstaunlich wild, wenn man bedenkt, wie ihr das Wasser in den hoch liegenden Stauseen unter Mithilfe von computer-gestützten Regenmengen-Voraussage-Modellen abgegraben wird. Jenes Wasser, das sich dann mehrfach energie-entzogen in den Lago Maggiore stürzen möchte, aber ein letztes Mal in der Zentrale von Brissago gebremst wird.

Die Schlucht von Ponte Brolla ist berühmt, wurde über Jahrhunderte von vielen Grossen und Mächtigen beschrieben, und wird, unter anderen, dem vielbeschäftigten Teufel zugeschrieben, der sie in die Erdrinde donnerte, oder so ähnlich. Einer der möglichen Zugänge, der offizielle, schnellste und einfachste, befindet sich gleich über der Strasse bei der Station Ponte Brolla. Es gibt dann für Schwindelfreie und Kletterer noch viele weitere Zugänge. Für Schwimmer gibt's noch einen weiteren, den ich weiter unten aufzeige.

Man kann die Schlucht aber auch einfach von oben betrachten, denn von der Hauptstrasse abzweigend, einige hundert Meter nach der Station Ponte Brolla, überspannt ein rostiger Steg die Maggia. Es ist die alte Eisenbahnbrücke des seit Jahrzehnten abgebrochenen Maggiatal-Bähnchens.

Das erste Bild zeigt die ehemalige Eisenbahnbrücke von unserem Stein aus, also von etwas oberhalb der Schlucht, aufgenommen. Die Aufnahmen auf dieser Seite wurden nach einem starken Regen gemacht, und die Maggia fährt hier gut einen Meter höher als normal durch ihr Bett. Auf der Höhe der Eisenbahnbrücke sieht man einen kleinen Fels, wie ein Riegel im Flussbett stehend. Links vom Riegel fällt die Maggia in die Schlucht. Und genau dies sieht man vom zweiten Bild aus. Diese Aufname wurde von der Brücke aus senkrecht hinunter geschossen, durch den nicht mehr existierenden Boden der Brücke hindurch.

Bei Hochwasser liegt der erwähnte Felsriegel total quer zum Fluss. Dieser staut sich dann hier, einen waagrechten See bildend, um sich dann hochkant in den engen Schlitz der Schlucht zu zwängen. Ein atemberaubendes Schauspiel, das man höchstens einmal im Jahr erleben kann, denn so oft gibt es ein solches Hochwasser auch nicht.

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Blick in die Schlucht

Von der Mitte der alten Eisenbahnbrücke aus hat man einen schauderhaft schönen Blick in die tosende Schlucht. Vor dem Betreten der Brücke sollte man allerdings Schlüssel, Portmonnaie und Fotoapparat sichern! Der Blick senkrecht hinunter, zwischen den Trägern der Brücke hindurch, auf den tosenden Wasserfall ist in der Wirklichkeit viel imposanter, als ein Foto zu zeigen vermag. Bei Hochwasser gibt es allerdings keinen Wasserfall mehr, und auch das Tosen ist dann weitgehend verschwunden: Die Maggia kippt einfach von der Horizontalen in die Vertikale, den Spalt der Schlucht vollkommen ausfüllend. Das Ganze fast lautlos, so leise zumindest, wie ein Fluss bei Hochwasser sein kann. Ich hoffe, dass ich diesen Moment in beim nächsten Hochwasser erwische und Bilder nachliefern kann!

Der hier schäumende Wasserfall unter der Eisenbahnbrücke ist bei normalem Wasserstand nur noch ein zwar gefälliger, kräftiger, aber im Ganzen harmlos erscheinender Wasserstrahl. Dies macht ihn ganz besonders gefährlich. Viele abenteuerlustige und sich selbst überschätzende, junge Leute verlockt er so zu einem Sprung in den Kessel. Einige von ihnen sind unten geblieben.

 

 

Blickt man aber anstatt senkrecht in die Schlucht, waagrecht das Tal aufwärts, so entdeckt man einige Sonnenhungrige als bunte Flecke über die warmen Steine des Flussbettes drapiert - darunter vielleicht auch uns. An dem regnerischen Tag, an dem diese Aufnahmen gemacht wurden, verirrte sich natürlich niemand an das Flussufer, zumal der Abstieg zum und der Wiederaufstieg aus dem Bett recht knifflig sein kann.

In diesem Bereich fliesst die Maggia manchmal lieblich, abrupt aber stürmisch wechselnd, durch das Tal, links und rechts von steilen Bergflanken begleitet, an deren blanken Felsflächen Dutzende von Trendsportler, auch bei grösster Hitze (eigentlich vor allem dann) hinauf und hinunter kraxeln, während wir faul auf den Steinen brutzeln, wie die Steaks auf dem Speckstein.

 

Einer dieser Brutzelsteine ist eben unserer, auf dem Bild gut erkennbar, doch welcher es ist, bleibt Geheimnis. Dort würden wir liegen und uns dann vom Wasser einige Dutzend Meter in dem natürlichen Bassin, das sich hier geformt hatte, hinunter treiben lassen - wenn das Wetter schöner wäre.

 

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Wie man dahin kommt

 

Wenn man nicht zu Fuss gehen will und kein Fahrrad hat, nimmt man den Zug von Locarno Stazione (die Centovalli-Bahn-Geleise benützen) nach Ponte Brolla

 

Ponte Brolla ist von Locarno oder Ascona aus bequem zu Fuss oder mit dem Fahrrad erreichbar, fast total abseits von Trubel und Verkehr. Ab Solduno nimmt man den rechten Maggiadamm (also auf der Losone-Seite) bis zur Einmündung der Melezza (das ist der Fluss aus dem Centovalli). Ein bisschen flussaufwärts ist eine Hängebrücke für Fussgänger, die in das Pedemonte führt. Nach der Hängebrücke geht oder fährt man auf Strässchen Richtung Ponte Brolla bis zur Hauptstrasse bei Tegna hinauf.

 

Als interessanten Abstecher kann man sich auch, immer eher rechts haltend, einen Weg durch das Dickicht suchen, bis man wieder die Maggia erreicht. Man ist dann in der Nähe einer Turbinenstation am Ausgang der Schlucht, einem beliebten Badeplatz. Gute Springer können hier Cliff-Diving aus etwa 15 Meter Höhe betreiben und für gute Schwimmer ist hier einer der Zugänge zur Schlucht.

 

Geht man nach Tegna hoch, so bleibt man mit Vorteil auf der rechten Seite der Maggia (die Ponte Brolla nicht überqueren, ausser man hat als Ziel das gute Ristaurante della Stazione). Es ist jetzt der richtige Moment, in einem der vielen guten, teils romantischen, Restaurants in Ponte Brolla auszuruhen. Der romantischste Ort ist dort das Grotto America (nicht immer offen), das am Weg der Maggia entlang liegt. Es liegt mitten in dem Gebiet der vielen echten, wirklich echten, Grotti von Ponte Brolla. Diese Höhlen und Felsspalten wurden in vergangenen Zeiten für die kühle Lagerung von Weinen und Lebensmittel verwendet. Ganz nah beim Grotto America ist auch die schon oben beschriebene, ausgediente Eisenbahnbrücke.

 

©2002 Peter Rohner zum Seitenanfang
Themen dieser Seite:
Wilde Maggia Schlucht-Blick Wie man hin kommt
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